Kann man Hotelbewertungsplattformen trauen? Kann man seine Meinung dort wirklich bedenkenlos veröffentlichen? Nach dieser RTL-Reportage, die bei Ed Wohlfahrt zur Verfügung stellt, bin ich mir nicht mehr sicher. Die Reporter waren für ihre Recherchen in ganz Europa unterwegs. Die Aussage ist erschreckend.
Gezeigt wird eine Dame, die seit einer negativen Bewertung vom Hotel mit massiven Klagsdrohungen eingeschüchtert wird. Der betreffende Hotelier aus Mallorca gibt freimütig zu, dass sie gegen "geschäftsschädigende Bewertungen" vorgehen. Denn: "Diese gehen nur mit unserer Genehmigung." Die Texte müssten vorher von ihnen freigegeben werden. Ich hoffe, es handelt sich um einen Einzelfall.
Und wozu gibt es Agenturen? Mit versteckter Kamera nehmen die Reporter ein Gespräch bei einer Berliner Marketingagentur auf, die sich auf Tourismus spezialisiert hat. Dort gibt sich ein Reporter als Hotelier aus, um zu erfahren, was gegen schlechte Bewertungen unternommen werden kann. Ihm werden zwei Möglichkeiten vorgeschlagen. Entweder mit der Plattform zu verhandeln. Oder selber zu bewerten. Dazu solle man einfach Webmail-Konten anlegen und falsche Namen angeben. Gerne übernimmt die Agentur diese Aufgabe. Die haben das schon in Dubai gemacht. Ich will glauben, dass Österreichische Hoteliers so etwas nicht nötig haben. Ed hat gegenteilige Erfahrungen gemacht.
Dass Bewertungen, ob gefälscht oder nicht, nicht vollends zu trauen ist, war mir klar. Schließlich sind auch Geschmäcker und Ansprüche sehr verschieden. Aber diese Aussage schockiert mich schon: Ein in der Reportage interviewter Plattform-Mitarbeiter schätzt, dass bis zu 25% aller Hotelbewertungen gefälscht sind.
Leute, es geht um Authentizität und Glaubwürdigkeit. Web 2.0 ist ein Matchmaker, ein Innovations-Antreiber und Feedback-Tool. Wozu Kritiken fälschen, wenn man diese Zeit für die Behebung der kritisierten Umstände und Probleme einsetzen könnte?
Hier geht es zum Video.
Hi Karin, ich schlage vor, dass wir uns von so einem RTL-Beitrag nicht schrecken lassen sollten. Natürlich ist das Thema heiß, natürlich wird auf den diversen Plattformen gefakt was das Zeug hält. Natürlich sollte man sich - Web 2.0 hin oder her - aber auch nicht zu sehr auf die subjektiven Meinungen Dritter verlassen, die die Welt bzw. ihr Hotel durch eine rosa gefärbte Brille sehen (wollen). Der im Video gebrachte Vorschlag an Plattform-User, sich mit den Autoren von Bewertungen selbst in Verbindung zu setzen, finde ich übrigens ein ziemlich probates Mittel. Andererseis ist auch auch klar, dass die ganze Story NIE in dieser Form vor RTL gecovert worden wäre, ginge es auf den Foren immer 100prozentig seriös und sauber zu. Die haben einfach eine Nutzerin gefunden, deren Geschichte herzeigbar ist (weil sie angeblich geklagt wurde), eine Agentur gefunden die betrügt, einen Psychologen befragt der kalmiert und ein paar Stimmen von Gästen eingefangen, die angeblich alle vorher in den Foren nachgesehen haben und nun in einem sch*** Hotel sitzen. Ein klassischer Aufreger- Aufdeckerbeitrag halt. Aber auch wieder ganz praktisch, da man v.a. auch über das eigene Mediennutzungsverhalten bzw. darüber, wie man die dargebotenen Informatinen vor dem eigenen Erfahrungshintergrund rezipiert, nachdenken kann. Stichwort: Mündige Mediennutzung
Kommentiert von: Ed Wohlfahrt | 07. September 07 um 12:03 Uhr
Hallo Ed,
ich hab mich am Montag mit dem Deutschen Hotellerieverband getroffen. Sie entwickeln gerade ganz interessante Modelle, z.B. ein Gütesiegel für Plattformen, die fair mit Hoteliers umgehen. Seriöse Anbieter werden das sicher gerne anbringen. Jedenfalls bleibt es spannend!
Kommentiert von: Karin | 07. September 07 um 14:20 Uhr
Hallo Karin,
als einer Österreichs Hoteliers, denke ich, dass uns das Web 2.0 serwohl eine Chance bietet, unseren Gästen ein neutrales Bild unserer Hotels und Leistungen zu bieten.
Mit schmutzigen Mitteln sich positive Einträge und Kommentare zu erschleichen, davon halte ich genauso wenig, wie sich diese zu "erkaufen"! Ehrlichkeit währt am Längsten und das wird auch immer so bleiben!
Schließlich soll der Gast die Möglichkeit bekommen sich ein eigenes Bild des jeweiligen Hauses zu machen.
Der sinnvollere Weg ist sicherlich jener, negative Kritiken aufzugreifen, diese versuchen zu eliminieren um danach positive Änderungen vorlegen zu können.
Liebe Grüße aus dem PillerseeTal
Florian
PS: Super das neue Layout, gefällt mir! :-)
Kommentiert von: Florian Schreder | 09. September 07 um 11:56 Uhr
Hallo Florian,
wie gesagt, das ist Balsam für meine Beraterinnen-Seele. Danke fürs Vorbeikommen und weiterhin toi, toi, toi.
Kommentiert von: Karin | 09. September 07 um 13:22 Uhr
Hallo Karin, nach meinem letzten Urlaub stellte auch ich eine (objektive, aber negative) Bewertung auf ein sehr bekanntes Hotelbewertungsportal. Nach einigen Tagen erhielt ich eine E-Mail dass das Bewertungsportal keinen Gast mit Namen Bernd (Kurzform meines Namens Bernhard) gehabt hätte. Ich klärte per E-Mail auf und nannte Buchungsnummer, Reiseveranstalter und Reisezeitraum, sowie Zimmernummer. Mein Beitrag wurde online gestellt, leider waren ca. 10 Beiträge über meinem aktuellen Beitrag. Und oh Wunder, die anderen waren durchweg positiv. Auch wenn ich im Urlaub einige kennengelernt habe, die von Ihren Erlebnissen berichten wollten. Alle samt waren allerdings nicht begeistert von dem Hotel. Als Reiseverkehrskaufmann in Führungsposition der nahezu alle Kontinente bereist hat, bin ich der Meinung mir sehr wohl ein objektives Urteil bilden zu können. Nur frage ich mich, wo kommen die positiven Einträge her? Viele Grüße
Kommentiert von: Bernhard | 17. November 09 um 13:30 Uhr